Femizid in Österreich: Warum mich der 15. Frauenmord dieses Jahres als bald dreifache Mädchenmama nicht mehr loslässt
Wenn ich die Nachrichten öffne und lese, dass in Österreich bereits der 15. Femizid dieses Jahres passiert ist, trifft es mich jedes Mal mitten ins Herz. Spätestens jetzt, kurz bevor ich selbst dreifache Mädchenmama werde, fühlt sich jede dieser Meldungen noch brutaler, noch persönlicher an. Ich frage mich: In welcher Welt wachsen meine Töchter auf? Und: Was kann ich tun, um sie vor dieser Form der Gewalt zu schützen — wenn das überhaupt möglich ist?
Diese Mischung aus Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit und tiefer Sorge begleitet mich, seit ich mich intensiver mit dem Thema Frauenmorde in Österreich beschäftige. Und mit jedem neuen Fall wird mir klarer: Das ist kein Randproblem. Das ist ein gesellschaftlicher Notfall.
Was ist ein Femizid? (Kurz erklärt – ohne theoretischen Ballast)
Ein Femizid bedeutet, dass eine Frau oder ein Mädchen getötet wird, weil sie weiblich ist oder weil ein Mann Macht über sie ausüben wollte. Es geht also nicht nur um „einen weiteren Mord“ — es geht um ein strukturelles Muster, das sich in Österreich seit Jahren wiederholt und verstärkt.
Was wichtig ist:
Femizide passieren nicht nur in Beziehungen oder Ehen. Sie passieren auch zwischen Geschwistern, zwischen Vater und Tochter oder durch Männer aus dem näheren sozialen Umfeld. Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter — aber die Muster dahinter ähneln sich.
Warum passieren Femizide? Die wichtigsten Motive – klar und verständlich erklärt
1. Verlustangst und Eifersucht
Viele Femizide geschehen, wenn eine Frau die Beziehung beenden möchte oder sich emotional löst. Für manche Männer ist das gleichbedeutend mit Kontrollverlust — und genau dieser Kontrollverlust wird zum Auslöser tödlicher Gewalt.
2. Besitzansprüche und Machtdenken
„Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich niemand haben.“
Dieser Satz taucht in vielen Fällen auf — direkt ausgesprochen oder indirekt gelebt. Männer, die ein Besitzdenken gegenüber Frauen entwickeln, sehen eine Trennung nicht als Entscheidung zweier Menschen, sondern als Bedrohung ihrer Macht.
3. Patriarchale Strukturen & Rollenbilder
Viele Täter wachsen mit der Vorstellung auf, dass sie „mehr zu sagen“ haben als Frauen. Das muss nicht bewusst passieren — oft sind es ungesunde Rollenmuster, die über Generationen weitergegeben wurden.
4. Innerfamiliäre Konflikte
Femizide zwischen Vater und Tochter, Bruder und Schwester oder anderen Verwandten entstehen oft aus völlig anderen Motiven:
Scham, Ehrvorstellungen, psychische Probleme, Überforderung oder eine toxische Familienstruktur können hier ausschlaggebend sein.
Warum beschäftigt mich der Femizid als Mutter — mein ganz persönlicher Bezug
Als dreifache Mädchenmama fühle ich mich tief betroffen, wenn ich von einem weiteren Frauenmord höre — etwa dem tragischen Fall aus Graz, der mich erschüttert hat. Für mich ist klar: Es geht nicht nur um Statistik, sondern um das reale Leben — um die Zukunft meiner Töchter.
Ich frage mich — und vielleicht viele andere Eltern gleichzeitig:
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Wie kann ich meine Kinder stärken, damit sie sich selbst behaupten?
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Wie kann ich ihnen Werte vermitteln wie Selbstbewusstsein, Gleichwertigkeit und Respekt — und ihnen beibringen, dass niemand das Recht hat, über sie zu bestimmen?
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Wie kann ich sie sensibilisieren für Grenzüberschreitungen — ohne ihnen Angst zu machen, sondern ihnen Selbstwirksamkeit und Selbstachtung mitzugeben?
Ist stelle mir die Frage:
Kann ich meine Kinder überhaupt vor so einer Gewalt schützen?
Ich möchte sie zu starken, selbstbewussten Frauen erziehen. Ich möchte, dass sie Grenzen erkennen — und setzen. Dass sie selbstbestimmt leben, lieben und frei entscheiden können.
Aber gleichzeitig weiß ich:
Die Verantwortung darf nicht auf den Schultern der Mädchen liegen.
Denn Femizid bedeutet nicht „Frauen haben sich falsch verhalten“.
Femizid bedeutet: Ein Mann wollte Macht ausüben, die ihm nicht zusteht.
Darum fühlt sich der Satz „Protect your daughters“ für mich immer unvollständig an.
Vielleicht müsste es viel eher heißen: „Educate your sons.“
Was können wir Eltern tun, um Mädchen wirklich zu stärken?
Ich glaube, Prävention funktioniert nur auf mehreren Ebenen:
1. Selbstbewusstsein fördern
Kinder brauchen ein starkes Gefühl von Selbstwert — damit sie ihre Grenzen kennen und verteidigen.
2. Beziehungskompetenz lehren
Was ist eine gesunde Beziehung?
Was ist Kontrolle?
Was ist Eifersucht?
Was ist Manipulation?
Das alles sollte nicht erst in der Pubertät Thema sein.
3. Klare Werte vermitteln
Respekt, Gleichwertigkeit, Verantwortung.
4. Früh über Grenzüberschreitungen sprechen
Was fühlt sich richtig an? Was nicht?
Und: Wo bekomme ich Hilfe?
5. Selbstverteidigung & Selbstbehauptung
Nicht aus Angst, sondern aus Stärke heraus.
6. Gesellschaftliches Bewusstsein einfordern
Wir können viel tun — aber die große Veränderung muss in der Gesellschaft stattfinden. Politik, Bildung, Rechtssystem und Medien müssen ihrer Verantwortung nachkommen.
Mein persönliches Fazit: Was wünsche ich mir für meine drei Töchter?
Ich wünsche mir eine Zukunft, in der Femizide nicht „normal“ sind.
In der Frauen nicht sterben müssen, weil ein Mann glaubt, er hätte Besitzansprüche.
In der meine Töchter frei leben können — ohne Angst, ohne Einschränkung, ohne Scham.
Und ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der wir nicht erst dann betroffen sind, wenn der nächste Frauenmord passiert.
Sondern bevor er passiert.
🎯 Wie erziehst du deine Kinder in Sachen Respekt & Gleichwertigkeit — und was glaubst du, muss sich gesellschaftlich ändern, damit Gewalt keiner Perspektive mehr hat? Schreib mir gerne ein Mail oder hinterlasse mir eine Nachricht im Chat oder via Instagram.















